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Fälschungen – nicht authentisch!

Porträt eines jungen Mannes, in der Art des Filippino Lippi wohl zwischen 1750 und 1850 entstanden, Öl und Tempera auf Holz, aus der Sammlung des Rijksmuseums Amsterdam.
Porträt eines jungen Mannes, in der Art des Filippino Lippi wohl zwischen 1750 und 1850 entstanden, Öl und Tempera auf Holz, aus der Sammlung des Rijksmuseums Amsterdam (public domain).

Ein Thema das den Kunsthandel, die Kunstwissenschaft, aber auch die Kunstinteressierten umtreibt, ist die Frage um „echt“ oder „falsch“. – Aber was genau ist überhaupt eine „Fälschung“?

Eine Fälschung geht stets mit einer Täuschungsabsicht einher. Es wird eine Autorenschaft oder ein Alter vorgegaukelt, die/das nicht der Tatsache entspricht. Meist trägt das Objekt eine falsche Signatur oder Marke. Mitunter wird bei Objekten eine Alter vortäuschende Patina aufgetragen, altes Papier für Drucke verwendet, alte Leinwände „wiederverwendet“. Prominente Fälle jüngsten Vergangenheit fingierten sogar Fotos für eine stimmige Provenienzlegende.

Kurz zusammengefasst, sind es drei Faktoren, die die Authentizität einen Kunstgegenstands bestimmen können:

  1. Der Stil oder Duktus
  2. Die verwendeten Materialien und Techniken
  3. Die Provenienz bzw. eine schlüssige Herkunftsgeschichte und Vita des Objekts

Leider habe ich während meiner Arbeit im Auktionshaus nie Fotos von den vielen Fälschungen gemacht, die hereinkamen. Es wird gerne bei kleinen Auktionshäusern versucht, sie unterzubringen, da man hofft, dort werde nicht so genau geprüft. Das ist aber meistens nicht der Fall. Auch kleine Häuser setzten sich mit den entsprechenden Expert*innen (meist die Verfasser*innen der jeweiligen Werkverzeichnisse) in Verbindung und klären die Authentizität der angebotenen Ware ab.

In der Praxis muss man immer kritisch sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine echten Picasso auf dem Dachboden findet, von der Tante geerbt hat oder ein Verwandter ihn aus Dankbarkeit/als Bezahlungsersatz vom Künstler geschenkt bekommen hat ist sehr, sehr gering.

Krug in der Art der Siegburger Trichterhalskrüge, Deutschland um 1860-80, wohl salzglasiertes Steinzeug, aus der Sammlung des Rijksmuseum Amsterdam (public domain).

Schwieriger als bei Gemälden und Grafiken ist es oft mit der Identifizierung von Fälschungen beim Kunsthandwerk. In den Hochzeiten des Antiquitätenhandels in den 1960er und 1970er Jahren wurden Objekte mit sehr hohen Preisen gehandelt, die heute nur noch einen Bruchteil davon erzielen – falls überhaupt Interesse besteht. Insofern existiert meist gar kein Anfangsverdacht. Auch sind die genauen Kenntnisse über die Sammelgebiete (wie bspw. Zinn oder Glas) heutzutage bei vielen Generalist*innen des Kunsthandels gar nicht mehr vorhanden. Folglich ist es möglich, dass gefälschte Möbel, Glas- oder Zinnobjekte etc. nicht als die Fälschungen erkannt werden, die sie sind.

Tabaksdose in Imitation von Meissen nach einem Vorbild von 1735, um 1850-78, Porzellan und Silber, aus der Sammlung des Rijksmuseum Amsterdam (public domain).

Aber das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach und eindeutig zu lösen und so passiert es auch den besten: in Museumssammlungen befinden sind ebenfalls Gegenstände, die Fälschungen sind (siehe bspw. die Ausstellung von September 2020 bis Mai 2021 des Kölner Museum Ludwig zu russischer Avantgarde-Kunst). Heutzutage kommen Fälschungen mitunter als nicht böswillig gemeinte Schenkungen in die Häuser und werden dort von den Fachleuten „enttarnt“ (das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum widmete diesem Umstand im Februar 2021 eine kleine „Inside-Story“ auf Instagram).

Gerade die Arbeiten des Historismus, die mit großer Kunstfertigkeit vergangene Epochen nachahmten, sind mitunter nur schwer zu identifizieren (bspw. Hanauer Silber mit seinen historisierenden Phantasiepunzen). Neuere Fälscher von Silberobjekten löteten mitunter alte Punzen ein oder nutzen Abdrucke alter Punzen.

Nicht nur der sagenumwobene „geschulte Blick“, sondern auch ein Interesse für epochenbezogene Herstellungstechniken, Materialkenntnisse und auch die Biografien bestimmter Künstler*innen sind hilfreiche Werkzeuge, um Fälschungen zu erkennen.

Neulich hatte ich schon einmal eine Liste mit Literatur zum Thema zusammengestellt – ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit: Link hier!

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